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Neue IT für eine Zahnarztpraxis: Was bei einem Komplettumzug wirklich Zeit kostet

Fünf Behandlungszimmer, neuer Server, neues Netz, neue Datensicherung. Die Hardware stand nach wenigen Tagen. Die Arbeit lag in den Übergängen.

27. September 2026 · 6 Min. Lesezeit
Die Stationen eines Praxis-IT-Umzugs

Eine Zahnarztpraxis mit fünf Behandlungszimmern, Empfang, zwei Büroarbeitsplätzen und digitalem Röntgen bekam eine komplett neue IT: neue Arbeitsplatzrechner, einen neuen Server mit Virtualisierung, ein neues Netzwerk mit Glasfaser-Backbone und eine neue Datensicherung. Die Hardware war nach wenigen Tagen verkabelt. Die eigentliche Arbeit lag, wie fast immer, in den Details danach.

Dieser Rückblick fasst zusammen, wo in einem solchen Projekt die Zeit hingeht und welche Stolpersteine man einplanen sollte. Fast alles lief per Fernwartung.

1. Grundeinrichtung: langweilig, aber entscheidend

Jeder neue Rechner braucht dieselben Grundlagen: Ersteinrichtung von Windows, lokale Konten für Administration und Praxisbetrieb, Energiesparmodus aus, automatisch verbundene Netzlaufwerke, aktuelle Updates. Das ist Routine, aber bei zehn Geräten summiert es sich.

Zwei Punkte, die wir später flächendeckend nachgezogen haben und heute von Anfang an einplanen würden:

  • Feste IPv4-Adressen im Betriebssystem, nicht nur als DHCP-Reservierung im Router, und IPv6 aus, wo die Praxissoftware es nicht braucht. Das macht das Netz vorhersagbar und vermeidet Überraschungen bei Router-Neustarts.
  • Energiesparen wirklich vollständig abschalten, inklusive Standby und Energieverwaltung der Netzwerkkarte. Ein Empfangs-PC, der kurz einschläft, erzeugt in der Praxissoftware Verbindungsabbrüche, die aussehen wie ein Serverproblem (eigener Beitrag).

2. Server und Virtualisierung

Der neue Server ist ein Virtualisierungshost, auf dem der eigentliche Praxisserver als virtuelle Maschine läuft. Angebunden ist er mit 10 Gbit/s über Glasfaser. Die Daten vom alten Server haben wir mit einem eigenen Kopierskript übernommen: paralleles Kopieren, Protokoll, und vor allem die Möglichkeit, einen abgebrochenen Lauf fortzusetzen, ohne alles neu zu kopieren.

Später kamen zwei SSDs dazu, zusammengefasst als Storage Pool, und die Server-VM wurde im laufenden Betrieb auf den schnelleren Speicher verschoben. Das Out-of-Band-Management des Servers (iLO) wurde eingerichtet und dokumentiert. Damit lässt sich der Server auch dann erreichen, wenn das Betriebssystem nicht mehr startet.

3. Datensicherung, die man auch zurückspielen kann

Die virtuellen Maschinen werden auf ein NAS gesichert. Der echte Test einer Sicherung ist die Wiederherstellung, und die kam schneller als geplant: Eine VM musste aus dem Backup zurück auf den Host (ausführlicher Fall). Dabei gab es eine typische Hürde, weil die VM nach dem Zurückspielen wegen der Secure-Boot-Einstellung nicht startete. Wer das einmal gesehen hat, plant es beim nächsten Mal ein.

Auch Benutzerdaten alter Arbeitsplätze (Desktop, Dokumente, Browser-Lesezeichen) haben wir aus Sicherungen auf die neuen Rechner übertragen.

4. Praxissoftware und Röntgen: die zeitintensivsten Fehler

Die meiste Analysezeit ging in drei Themen:

  • Ein Röntgen-Plugin ließ sich nicht installieren, der Installer brach mit einem allgemeinen MSI-Fehler ab. Ursache war eine fehlende, veraltete Systemkomponente (MSXML 4.0), die der Installer stillschweigend voraussetzt. Gefunden haben wir sie mit einem Mitschnitt aller Datei- und Registry-Zugriffe während der Installation (eigener Beitrag).
  • Ein Konto wurde auf dem Server immer wieder gesperrt. Ursache waren alte gespeicherte Anmeldedaten auf einem Arbeitsplatz, die im Hintergrund regelmäßig mit falschem Kennwort anklopften (verwandter Beitrag).
  • 3D-Röntgenbilder luden auf einem Arbeitsplatz extrem langsam. Hier haben wir messen, eingrenzen und dem Hersteller eine vollständige Fallbeschreibung mit Systemdaten übergeben, denn nicht jede Ursache liegt in der eigenen Infrastruktur.

5. Telematikinfrastruktur

Der Umzug des Empfangs-PCs betrifft in einer Praxis immer auch die TI: Kartenterminal, Konnektor, KIM. Den Umzug der TI-Anbindung hat ein externer Dienstleister per Fernsitzung durchgeführt. Wir haben die Sitzung auf beiden Rechnern Bild für Bild aufgezeichnet, damit jede Einstellung später nachvollziehbar ist. Danach mussten wir das KIM-Clientmodul auf dem neuen PC neu einrichten, inklusive einer DNS-Weiterleitung für .telematik im Router (eigener Beitrag).

6. Netzwerk und WLAN

Das Netz ist in VLANs getrennt: Management, Praxisnetz, Gäste. Zwei Stolpersteine sind dabei aufgetaucht:

  • Eine ausgebaute Netzwerkkarte hinterließ im Router eine „Geister-Reservierung“, die eine benötigte feste IP-Adresse blockierte.
  • Zwei Access Points lieferten dasselbe WLAN in unterschiedliche VLANs, weil die Switchports verschiedene Native VLANs hatten. Ein Rechner mit fester IP verlor beim Wechsel zwischen den Access Points jedes Mal die Verbindung (eigener Beitrag).

7. Dokumentation

Am Ende steht eine technische Dokumentation: ein Infrastrukturdokument mit Netzplan, IP-Plan und Geräteinventar, je ein Dokument pro Software und je ein Störungsbericht pro Problem mit Symptom, Analyse, Ursache, Lösung und Vorbeugung. Zugangsdaten stehen getrennt in einem vertraulichen Dokument.

Das kostet Zeit, zahlt sich aber beim ersten Folgeproblem aus. Wer weiß, warum eine Einstellung so ist, wie sie ist, ändert sie nicht versehentlich zurück.

Fazit

Die Hardware ist der kleinste Teil eines Praxis-IT-Umzugs. Zeit kosten die Übergänge: alte Konfigurationen, die stillschweigend mitgenommen werden, Komponenten, die nur „zufällig“ funktioniert haben, und Fachsoftware, deren Voraussetzungen erst beim Fehler sichtbar werden. Planen Sie dafür Puffer ein, und bestehen Sie auf einer Dokumentation, die mehr ist als eine Passwortliste.