Praxis-IT · Telematikinfrastruktur

Telematikinfrastruktur (TI): Konnektor, Komponenten und die Fristen 2026

Was die TI ist, welche Komponenten eine Praxis braucht und was 2026 bei Konnektor, SMC-B und Kartenterminal gilt, nach den Angaben der gematik.

26. Oktober 2026 · 9 Min. Lesezeit
Zeitleiste der RSA-Abschaltung in der Telematikinfrastruktur von Januar 2026 bis April 2027 mit fünf Stichtagen.

Die Telematikinfrastruktur (TI) ist laut >gematik die Plattform für Gesundheitsanwendungen in Deutschland. Arztpraxen, Zahnarztpraxen, Apotheken und Kliniken müssen einen Zugang zu ihr haben, bei Pflegeeinrichtungen gilt das seit dem 1. Juli 2025. Der Zugang läuft entweder über einen Konnektor in der Einrichtung oder über das TI-Gateway. 2026 stehen wegen der Umstellung der Verschlüsselung von RSA auf ECC mehrere Fristen an: Seit dem 1. Januar 2026 sind RSA-only-Konnektoren nicht mehr nutzbar, bei HBA und SMC-B endete die Frist am 30. Juni 2026, bei der Gerätekarte des Kartenterminals (gSMC-KT) endet sie am 31. Dezember 2026.

Was die Telematikinfrastruktur ist und wer sie braucht

Über die TI laufen Anwendungen wie das E-Rezept, der sichere E-Mail-Dienst KIM und die elektronische Patientenakte (ePA). Nach der >gematik-Seite zum TI-Zugang müssen (Zahn-)Arztpraxen, Apotheken und Kliniken über einen solchen Zugang verfügen, und ab dem 1. Juli 2025 sind auch Pflegeeinrichtungen zur Anbindung verpflichtet. Der öffentliche Gesundheitsdienst kann einen Zugang nutzen, je nach gewünschten Anwendungen.

Komponenten: Was eine Einrichtung für den TI-Zugang braucht

Die >gematik nennt diese Bausteine:

Komponente Aufgabe Hinweis der gematik
Konnektor Verbindet Primärsystem, Einrichtung und TI Kleine Box, die an einen WLAN-Router erinnert; wird von der Einrichtung betrieben und gewartet
eHealth-Kartenterminal mit gSMC-KT Stationäres Terminal; die gSMC-KT ist dessen digitale Identität in der TI Muss von der gematik zugelassen sein
SMC-B (Institutionskarte) Identität der Einrichtung Kann erst beantragt werden, wenn ein eHBA in der Institution vorhanden ist; begrenzte Laufzeit
eHBA (Heilberufsausweis) Persönlicher Ausweis der Berufsangehörigen Mindestens einer je Institution
Primärsystem (PVS, ZPVS, AVS, KIS) Fachsoftware der Einrichtung Braucht Bestätigung bzw. Konformitätsbewertung der gematik und Zertifizierung durch KBV bzw. Eignungsfeststellung durch KZBV
VPN-Zugangsdienst Gesicherte Verbindung ins TI-Netz Beim Konnektor separat zu beschaffen, beim TI-Gateway integriert
TI-Gateway Zugang über ein zertifiziertes Rechenzentrum Einbox-Konnektor vor Ort nicht mehr erforderlich

Die SMC-B gibt es auch kartenlos als SM-B: Die Schlüssel der Einrichtung liegen dann in einem Hardware-Security-Modul im Rechenzentrum des Gateway-Anbieters.

Konnektor oder TI-Gateway?

Der Konnektor ist laut >gematik der bisher etablierte Zugang. Perspektivisch soll das >TI-Gateway die bevorzugte Lösung werden. Die Einrichtung verbindet sich per VPN mit einem zertifizierten Rechenzentrum, in dem der Anbieter einen zentralen, von der gematik getesteten Highspeed-Konnektor betreibt. Wartung und Updates übernimmt der Anbieter. Das Kartenterminal bleibt vor Ort und wird weiter lokal gekoppelt, und ein Dienstleister vor Ort richtet Kartenterminal und Primärsystem ein. Ein TI-Zugang mit dem Gateway ohne VPN ist laut gematik nicht möglich.

Der Wechsel besteht laut gematik aus wenigen Schritten: Anbieter wählen, die Praxis für das Gateway registrieren, technische Einrichtung durch den Anbieter, eventuell Neukonfiguration vorhandener Kartenterminals sowie Funktionstest und Abschaltung des alten Konnektors. Ein dauerhaft außer Betrieb genommener Konnektor muss deregistriert und auf Werkseinstellungen zurückgesetzt werden und darf nicht in den Hausmüll.

Der Highspeed-Konnektor ist ein leistungsfähigeres Gerät für den Betrieb in einem krankenhauseigenen oder zertifizierten Rechenzentrum und soll dort mehrere Einbox-Konnektoren ersetzen.

Anwendungen: E-Rezept, eAU, ePA, KIM und TI-Messenger

  • E-Rezept: Alle Ärztinnen und Ärzte sind laut >gematik seit dem 1. Januar 2024 verpflichtet, das E-Rezept für verschreibungspflichtige Arzneimittel zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung zu nutzen. Ausgenommen sind Betäubungsmittel und gesetzlich geregelte Sonderfälle wie Zytostatika.
  • eAU: Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung löst laut >KBV das Formular 1 ab. Die Praxen übermitteln die Daten per KIM an die Krankenkassen, Arbeitgeber rufen sie seit dem 1. Januar 2023 dort ab.
  • ePA für alle: Die bundesweite Einführung startete laut >gematik am 29. April 2025. Seit dem 1. Oktober 2025 müssen medizinische Einrichtungen die ePA laut >gematik im Alltag integrieren. Die Akte wird für gesetzlich Versicherte automatisch angelegt, Widerspruch ist möglich.
  • TI-Messenger: Nach der >gematik-Übersicht ist TI-M Pro seit April 2024 mit der ersten Anbieter- und Produktzulassung verfügbar und TI-M ePA seit Juli 2025. TI-M Connect (Videochat und Einbindung in Plattformen von Drittanbietern) ist laut gematik aktuell in Abstimmung. Den Zugang erhalten Institutionen über eine SMC-B. Für Standardkommunikation wie signierte eArztbriefe oder eAU ist KIM gedacht, der Messenger für flüchtige, organisatorische Nachrichten.

Zertifikatslaufzeit, Verlängerung und Konnektortausch

Konnektoren und andere TI-Komponenten tragen laut >gematik Zertifikate, die aus Sicherheitsgründen nach 5 Jahren ablaufen. Zur >Laufzeitverlängerung veröffentlicht die gematik:

  • Zertifikate auf Basis von RSA dürfen nicht mehr verlängert werden.
  • Bei Konnektoren, die 2020, 2021 und 2022 produziert wurden, werden die ECC-Zertifikate um jeweils drei Jahre verlängert. Die maximale Laufzeit beträgt dann 8 Jahre.
  • Die Umstellung kann grundsätzlich automatisch ab dem 4. April 2025 erfolgen. Vom Anwender ist in der Regel keine IT-Aktion nötig.
  • Eine weitere Verlängerung ist nicht möglich. Perspektivisch ist der Zugang über das TI-Gateway das Mittel der Wahl.

Wer wissen will, wann die eigenen Zertifikate ablaufen, findet bei der gematik Anleitungen für Konnektoren von RISE, secunet und CGM sowie für Kartenterminals und die SMC-B.

2026: Umstellung von RSA auf ECC

Die TI stellt ihre Kryptografie laut >gematik von RSA auf ECC um, auf Empfehlung des BSI. Die Seite wurde laut eigenem Hinweis zuletzt am 15.10.2026 aktualisiert. Die Fristen im Überblick:

Komponente Frist laut gematik Bedeutung
Konnektor 31.12.2025 Seit 1. Januar 2026 kein TI-Zugang mehr mit RSA-only-Konnektoren; das RSA-Gerätezertifikat ist abgelaufen
Primärsystem und KIM-Clientmodul 31.12.2025 Müssen ECC unterstützen (siehe Hinweis zum HBA unten)
Heilberufsausweis (HBA) 30.06.2026 HBA der Generation 2.0 ohne ECC müssen gegen Generation 2.1 getauscht werden
Praxisausweis (SMC-B) 30.06.2026 Ohne gültige SMC-B kein Zugriff auf E-Rezept, eAU, VSDM oder ePA
Gerätekarte des Kartenterminals (gSMC-KT) 31.12.2026 gSMC-KT 2.0 muss gegen Version 2.1 getauscht werden

Die gematik weist darauf hin, dass ein ECC-fähiger HBA allein nicht reicht: Konnektor und Primärsystem einschließlich KIM-Clientmodul müssen ebenfalls auf ECC umgestellt sein. Außerdem funktionieren die ECC-only-Gesundheitskarten, die ab dem 1. Oktober 2026 ausgegeben werden, nur mit der aktuellsten Produktversion des Konnektors. Ein Praxisbeispiel zum KIM-Clientmodul steht in unserem Beitrag KIM-Clientmodul nach PC-Tausch, ein Beispiel zu einem TI-Ausfall im Beitrag TI-Ausfall und DNSSEC-Schlüsseltausch.

Die Abschaltung der RSA-Verfahren läuft in Stufen. Nach der >Stufenübersicht der gematik sind laut Seitenstand vom 15.10.2026 diese Schritte noch offen:

  • 28.10.2026: Die letzten RSA-eGK-CAs (Stufe 2) werden aus der TSL entfernt.
  • 02.11.2026: Die RSA-SMCB-ENC-Zertifikate werden aus dem Verzeichnisdienst entfernt.
  • 04.11. bis 30.11.2026: Die Trust Service Provider (TSP) sperren alle RSA-SMCB-Zertifikate.
  • 07.12.2026: Alle RSA-VPNK-EE-Zertifikate werden gesperrt.
  • 01.04.2027: Die letzten relevanten OIDs und die RSA-Komp-CAs werden aus der TSL entfernt.

Die gematik hält fest, dass sich die Termine im Ausnahmefall ändern können. Maßgeblich ist der >Migrationsstatus auf ihrer Seite.

Finanzierung: die TI-Pauschale

Seit dem 1. Juli 2023 erhalten Praxen laut >KBV eine monatliche Pauschale für Installation und Betrieb der TI. Die Höhe legte das Bundesgesundheitsministerium per Rechtsverordnung fest, sie steigt jeweils zum 1. Januar entsprechend der Veränderung des Punktwerts des Orientierungswerts. Ab dem 1. Januar 2026 beträgt die volle Pauschale für Praxen mit bis zu 3 Ärztinnen und Ärzten bzw. Psychotherapeuten 263,62 € pro Monat, mit 4 bis 6 sind es 313,52 € und mit 7 bis 9 sind es 359,10 €. Fehlt eine Anwendung, gibt es nach dem KBV-Dokument eine reduzierte Pauschale.

Der nötige Wechsel auf einen ECC-fähigen Konnektor oder das TI-Gateway ist laut >gematik durch die TI-Pauschale abgedeckt, separate Finanzierungen sind nicht vorgesehen. Für Zahnärzte, Apotheken, Pflegeeinrichtungen und weitere Gruppen gelten eigene Vereinbarungen, die der >GKV-Spitzenverband auflistet.

Checkliste für 2026

  1. Konnektor: Hersteller, Produktversion und Zertifikatsablauf in der Administrationsoberfläche prüfen oder beim IT-Dienstleister erfragen. Auf die aktuelle Produktversion aktualisieren.
  2. Karten: Generation von HBA und SMC-B im Kartenportal des Anbieters prüfen. Bei Karten ohne ECC ist laut gematik jederzeit mit Einschränkungen zu rechnen.
  3. Kartenterminal: Ablaufdatum der gSMC-KT ermitteln und bis 31.12.2026 gegen Version 2.1 tauschen.
  4. Software: Beim Praxisverwaltungssystem und beim KIM-Clientmodul die ECC-Fähigkeit beim Hersteller bestätigen lassen.
  5. Zugangsweg: Entscheiden, ob der Konnektor weiterbetrieben oder auf das TI-Gateway gewechselt wird. Die Kosten fallen laut gematik unter die TI-Pauschale.
  6. Erinnerungen: Ablaufdaten aller Komponenten in einem Kalender festhalten, damit nichts unbemerkt abläuft.

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Häufige Fragen

Was ist ein TI-Konnektor?

Ein Konnektor ist eine kleine Box, die die Verbindung zwischen dem Primärsystem, der Einrichtung und der Telematikinfrastruktur herstellt. Bezogen wird er laut gematik über den IT-Dienstleister, betrieben und gewartet wird er von der Einrichtung.

Wie lange läuft ein Konnektor, wann ist ein Tausch fällig?

Die Zertifikate laufen laut gematik nach 5 Jahren ab. Bei ECC-Konnektoren der Baujahre 2020 bis 2022 wird die Laufzeit einmalig um 3 Jahre auf maximal 8 Jahre verlängert, eine weitere Verlängerung ist nicht möglich. RSA-only-Konnektoren sind seit dem 1. Januar 2026 nicht mehr nutzbar.

Seit wann ist das E-Rezept Pflicht?

Alle Ärztinnen und Ärzte sind laut gematik seit dem 1. Januar 2024 verpflichtet, das E-Rezept für verschreibungspflichtige Arzneimittel zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung zu nutzen.

Was ist das TI-Gateway, und braucht man dann noch einen Konnektor?

Beim TI-Gateway läuft der Zugang über eine VPN-Verbindung zu einem zertifizierten Rechenzentrum. Ein eigener Einbox-Konnektor in der Einrichtung ist dann laut gematik nicht mehr erforderlich, das Kartenterminal bleibt vor Ort.

Wer bezahlt Konnektor und TI-Anbindung?

Praxen erhalten laut KBV seit dem 1. Juli 2023 eine monatliche TI-Pauschale für Installation und Betrieb. Laut gematik deckt sie auch den Wechsel auf einen ECC-fähigen Konnektor oder das TI-Gateway ab.

Quellen

  1. >gematik: Telematikinfrastruktur
  2. >gematik: TI-Zugang
  3. >gematik: Konnektoren
  4. >gematik: Wichtige Infos zur Laufzeitverlängerung von Konnektoren
  5. >gematik: TI-Gateway
  6. >gematik: Migration auf ECC (RSA2ECC-Migration)
  7. >gematik: E-Rezept
  8. >gematik: ePA für alle
  9. >gematik: Die bundesweite Einführung der ePA für alle startet am 29. April 2025
  10. >gematik: TI-Messenger
  11. >KBV: Praxisinfo Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (Januar 2025)
  12. >KBV: Entwicklung der monatlichen TI-Pauschale (19. Dezember 2025)
  13. >GKV-Spitzenverband: Telematikinfrastruktur (Finanzierungsvereinbarungen)